Folgender Artikel von Hans Krautstein erschien in der Ausgabe 12/95 der Zeitschift Schrot & Korn. Ich danke dem Verlag für die freundliche Genehmigung, den Artikel hier nochmals zu veröffentlichen.

Im Darm sitzt das Leben

Colon-Hydro-Therapie

Fast jeder zweite Mensch ist heutzutage darmkrank. Chronische Abwehrschwäche wurde zum traurigen Merkmal unserer Epoche. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um das gestörte Immunsystem auf sanfte Weise zu mobilisieren. Eine davon ist die Colon-Hydro-Therapie, eine moderne Form der Darm-Spülung, die erst allmählich in Deutschland Einzug hält.

Daß der Tod im Darm sitzt, hatte schon Paracelsus erkannt. Eine ganze Reihe von Krankheiten geht auf chronische Verdauungsstörungen zurück. Bei Symptomen wie Blähbauch, Durchfall oder Verstopfung scheint der Zusammenhang offensichtlich, doch handelt es sich hier nur um die Spitze des Eisbergs. Auch an entfernter gelegenen Körpersteilen können Beschwerden auftreten. Nicht selten haben anhaltende Kopfschmerzen, rheumatische Leiden und vor allem Allergien in schleichenden Veränderungen des Darmmilieus ihre tiefere Ursache. Wer seine tägliche Nahrung nicht richtig verdaut, bekommt die negativen Folgen oft erst nach etlichen Jahren zu spüren.

Der Darm ist viel mehr als nur ein Transportorgan, das den Speisebrei vom Magen bis zum Anus befördert, im oberen Teil ein paar Stoffe hinzugibt und im unteren Abschnitt einige andere resorbiert. Das schlauchartige Gebilde (Gesamtlänge etwa sieben Meter) erfüllt auch als Teil unseres Immunsystems eine lebenswichtige Aufgabe. Auf einer Innenoberfläche von 300 Quadratmetern sorgen Billionen von Mikroorganismen als Abwehrpolizei gegen Krankheitserreger für ein empfindliches Gleichgewicht (Symbiose). Viele dieser physiologischen Darmbakterien sind im Colon (Dickdarm) lokalisiert. Wollte man die eingangs erwähnte Erkenntnis des großen Mediziners positiv wenden, so müßte man die frohe Botschaft verkünden: "Im Darm sitzt das Leben."

Vor rund 3500 Jahren haben die Ägypter ausgehöhlte Kürbisse und Kalebassen mit Wasser gefüllt, mit einem Pflanzenrohr versehen und die Flüssigkeit zur Darm-Spülung benutzt. Später wurden mit Hilfe von Klistierspritzen oder Irrigatoren Reinigungen vorgenommen und Medikamente in den Körper eingeschleust. Anfang des 20. Jahrhunderts kam dann der sogenannte hohe Einlauf in Mode. Die Amerikaner haben dieses traditionelle Verfahren technisch weiterentwickelt und vereinfacht und unter dem Namen "Colon-Hydro-Therapie" (CHT) populär gemacht. Seit etwa zehn Jahren wird es auch in Deutschland angewandt.

Der Mainzer Heilpraktiker Volker Weber arbeitet seit längerem mit dieser sanften Behandlungmethode. Er vergleicht die Situation seiner Patienten mit der unserer Umwelt: "Die Versorgung ist gut, die Entsorgung ist mangelhaft." Der Dickdarm sei nicht nur zuständig für die Aufnahme von Spurenelementen und Mineralstoffe, sondern auch für die Ausscheidung von organischen Giftstoffen (Toxinen) und die Regelung des Wasser- und Salzhaushalts. Ist der Darm verschlackt und krank, sind diese Funktionen erheblich eingeschränkt. Unter der daraus resultierenden Selbstvergiftung leidet der ganze Organismus: die Leber, die Haut, die Lunge, das Lymphsystem, der Magen und die Schleimhäute.

Im Gegensatz zu früheren Verfahren erfaßt die CHT nicht nur den unteren Dickdarmabschnitt, sondern das gesamte Colon. Mit dem Colon-Hydromaten wird gereinigtes, temperiertes Wasser vorsichtig in den Darm infundiert und durch ein spezielles Schlauchsystem anschließend wieder ausgespült. Der ständige Wechsel zwischen kurzzeitigem Innendruck und nachfolgender Spülung löst nach mehrmaliger Behandlung auch hartnäckige Ablagerungen (Kotreste) von den Darmwänden. Den minimalen Druck von 0,1 bis 0,2 bar empfinden die Patienten nicht als unangenehm. Das gleiche gilt für die Temperatur, die zu Beginn gewöhnlich bei 37 Grad liegt. Ist Entkrampfung nötig, kann sie leicht erhöht werden, soll ein zusätzlicher Reiz die träge Peristaltik anregen, wird bis auf 30 Grad abgekühlt.

Bei Durchfall und Verstopfung, Meteorismus (Roemheld-Komplex) und Mykosen hat sich die Darmspülung bewährt. Auch Rheuma, Migräne und entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis Ulcerosa und Morbus Crohn sprechen darauf an. In deren akuten Phasen sowie bei schweren Herzleiden, nach Operationen und während der Schwangerschaft soll die CHT dagegen nicht angewendet werden. Die Symptomatik von Allergikern kann CHT ebenfalls bessern helfen, doch bleibt die strikte Meidung des auslösenden Allergens notwendige Voraussetzung. Weber betont, daß die Colon-Hydro-Therapie nicht nur von Stoffwechselschlacken und Pilzgiften befreien kann, sondern auch von psychischen Altlasten. Das "Loslassen" wird auf mehreren Ebenen eingeübt und betrifft gleichzeitig heruntergeschluckte, unverdaute Emotionen. Nicht umsonst heißt das Colon im Volksmund "Grimmdarm". Wer ständig sauer und unzufrieden ist, spürt solche Gefühle auch in den Eingeweiden und entwickelt häufig eine Azidose (Übersäuerung). Während der Dünndarm mit dem analysierenden Teil des Gehirns (Bewußtsein) in Verbindung steht, hat der Dickdarm eine enge Beziehung zum Unbewußten.

Volker Weber betrachtet die Colon-Hydro-Therapie keineswegs als kalte "Apparate-Medizin", die man aus Profitgründen über Monate ausdehnen und ungelernten Kräften überlassen darf. Bei ihm ist dies schon allein deshalb unmöglich, weil er bei jeder Sitzung die Reflexzonen des Darmes nach Schwachstellen absucht und den Bauch des Patienten begleitend massiert. Ähnlich wie bei der Fußreflexzonenmassage werden die mit den jeweiligen Darmarealen verbundenen Organe angeregt und in ihrer Funktionskraft gestärkt. Bei manchen Patienten beginnt zum Beispiel die Nase zu laufen, sobald Weber den Reflexpunkt der Nebenhöhlen stimuliert. Während des Gesprächs erfährt der Therapeut manches über die persönliche Situation des Kranken und über eventuelle Blockaden. Mehr als sechs bis zehn Behandlungen hält der 37jährige im Gegensatz zu einigen Kollegen nicht für angemessen. Die Zeitabstände zwischen den einzelnen Anwendungen sollten anfangs nicht zu groß sein (dreimal pro Woche), damit alte Schlacken und Pilznester keine Chance haben, in den Haustren (Darmtaschen) steckenzubleiben. Bedeutsam erscheint die Tatsache, daß Weber in seiner Praxis nur gereinigtes Wasser (Purolux-Verfahren) verwendet. Bei einem Verbrauch von nur zehn Litern pro Anwendung ist solche Sorgfalt nicht sehr aufwendig. Andere Gerätetypen verschlingen bisweilen das Zehn- bis Fünfzehnfache an schleimhautreizender, gechlorter Flüssigkeit. Dabei, so Weber, werde die "Entgiftungsfahrik" Leber häufig überfordert.

Eine CHT-Sitzung mit Vorgespräch und Medikamententestung (mittels Elektroakupunktur - EAV) dauert im Schnitt eine gute Stunde. Die passenden Arzneien gibt Weber oft auch dem Wasser bei, etwa das antimykotisch wirkende Teebaumöl (stark verdünnt), Pilznosoden oder Bach-Blüten. Besonderes Augenmerk richtet der gelernte Krankenpfleger auf homöopathische Mittel. Strenge Diäten fordert er zwar nicht von seinen Patienten, doch empfiehlt er frische, unbehandelte Nahrung, intensives Kauen und wenig Fleisch, da dies länger im Darm bleibe und zur Fäulnisbildung führe. Fabrikzucker, Süßstoffe, Bohnenkaffee und Alkohol sind außerdem zu meiden. Auch Hülsenfrüchte, Kohl und ein Übermaß an Rohkost werden von vielen nicht vertragen. Zart gedämpftes Gemüse sei hier die Alternative. Vom Trinken während des Essens rät Weber ebenfalls ab, weil dadurch die Verdauungsenzyme in ihrer Effektivität behindert werden. Nicht nur die Makrobioten wissen seit langem um diesen Zusammenhang, von diesen Menschen wird er permanent ignoriert. Daß CHT-Patienten infolge der vermehrten Ausscheidung einen gesteigerten Durst entwickeln und viel Flüssigkeit, benötigen (am besten stilles Wasser), steht auf einem anderen Blatt.

Die meisten Patienten verspüren schon nach wenigen Behandlungen eine deutliche Linderung. Eine Frau mit Blasenschmerzen mußte nach der CHT große Mengen stark riechenden Urins lassen ist seitdem anhaltend beschwerdefrei. In einem zweiten Fall waren die Lenden-Wirbel-Syndrome-Symptome schon nach kurzer Zeit verschwunden. Andere Patienten berichten, daß ihr Verlangen nach Wein oder Zigaretten deutlich nachließ. Nicht immer läuft jedoch alles so reibungslos. Es kann mitunter zu (Erst-)Verschlimmerungen kommen wie unangenehmem Kältegefühl oder Zunahme von rheumatischen Beschwerden. Weber sieht darin vorübergehende Entzugserscheinungen und nicht etwa bedenkiche Komplikationen. Der Körper muß sich auf den Wegfall der gewohnten Gase und Gifte erst allmählich einstellen. Nebenwirkungen wie das Ansteigen der Leberwerte erklären einige Mediziner mit der Auflösung und Umverteilung der Säuredepots im Körper. Lokale Azidosen geraten ins Fließen und gelangen über Blutbahn und Lymphsystem in die Leber. Viele Kranke reagieren auf diesen Toxinansturm mit depressiven Verstimmungen. Mit der These, daß die Verschlimmerung stets eine notwendige Voraussetzung für die Heilphase sei, die erst nach der zehnten Sitzung so richtig beginne, ist Weber nicht einverstanden.

Manche Menschen, denen die Colon-Hydro-Therapie helfen könnte, lassen sich nur ungern darauf ein. Weil sie einen mit Tabus belegten, intimen Bereich berührt, provoziert sie auch Widerstände. Mit dem Stichwort "Einlauf" verbinden viele eher unangenehme Erinnerungen und Vorstellungen. Dabei ist die CHT weitaus schonender als ältere Methoden der Darmspülung. Wer bereit ist, sich psychisch zu öffnen wird, in der Regel auch keine körperlichen Probleme bekommen. Bedenken in hygienischer Hinsicht sind erst recht völlig unbegründet. Das Darmrohr, das in Seitenlage behutsam in den Anus eingeführt wird, ist ein Einmal-Artikel, störende Geruchsbelästigungen entstehen bei der Spülung nicht. Die Behandlung verbringt der Patient entspannt auf dem Rücken liegend mit angewinkelten Beinen, unteres Becken und Beine werden abgedeckt, der Bauch bleibt frei. Wenn dem Patienten der Wasserdruck zu stark wird - was selten passiert -, kann der neben ihm sitzende Therapeut in Sekundenschnelle nachregulieren. Nach der Behandlung genügt ein kurzer Gang auf die nahe Toilette, um lockere Kotreste zu entleeren. Weiterer Stuhldrang oder gar Durchfall treten nach Verlassen der Praxis normalerweise nicht auf.

Fastenkuren können den Entgiftungsprozeß während der CHT unterstützen, sind aber für Berufstätige oft kaum durchführbar. Weber hat mit sieben- bis vierzehntägigen Reisschleimkuren gute Erfahrungen gemacht, mit der Apfelessig-Kur ebenso. Letztere ist vor allem bei entzündlichen Prozessen, Darmpilzen, Asthma, Gelenkerkrankungen, Übergewicht und Hautleiden angezeigt. Beide dienen wie die Colon-Hydro-Therapie insgesamt auch zur allgemeinen Vorbeugung und Kräftigung des Immunsystems.

Leider, so beklagt Weber, werde dem Darm immer noch nicht die Beachtung geschenkt, die er verdiene. Genauso, wie eine Pflanze nur dann gedeihen könne, wenn ihre Wurzel intakt sei, seien wir auf Dauer nicht lebensfähig ohne eine gesunde Verdauung. "Die CHT ist mehr als ein bloßes Darmreinigen und Ausschwemmen und von Giften, Gasen und Pilzen. Sie beeinflußt den ganzen Menschen."

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Praxis für Naturheilkunde

Volker Weber

Heilpraktiker

Volker Weber

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